Tradition

Dachschmuck gehört zur Tradition des Ziegeldaches. Im Mittelalter galt der mit Pferd und Reiter verzierte Firstziegel, der traditionelle Dachreiter, als Statussymbol der Kreuzritter und zeugte von Herkunft und Berufsstand. Schmuckbedürfnis, Signalwirkung und religiöse oder abergläubische Gründe spielten dabei eine Rolle. Im 18. und 19. Jahrhundert fanden Dachreiter schließlich in entsprechend schlichteren Formen und zum Teil humorvoll variiert ihren Weg auf die Dächer der Bürger und Bauern. Im Volksglauben ordnete man den verschiedenen Figuren besondere Eigenschaften zu. Der so genannte Feuerhahn galt als Symbol für Wachsamkeit, vor allem wenn es ums Melden von Feuer ging. Die Katze, die ja bekanntlich in der Dunkelheit sehr gut sehen kann, sollte das Haus und die Bewohner in der Nacht schützen. Fratzen und Ungeheuer dienten der Abschreckung von ungebetenen Besuchern. Dachreiter waren zunächst eine Feierabendarbeit in den Ziegeleien. Aus Tonresten wurden sie geformt und ebenso wie die so genannten Feierabendziegel, die mit Sprüchen und Zeichen verziert waren, im Ziegelofen mitgebrannt. Später stellten Töpfer individuelle Figuren auf Bestellung her.

Neben der Symbolkraft der Dachreiter besteht eine Schutzfunktion für das Dach, die sich aerodynamisch erklären läßt: Die Figuren auf dem First erzeugen bei Sturm Verwirbelungen, die die Sogwirkung des Windes auf der Leeseite des Daches mindern. Durch dieses Phänomen kann man erreichen, dass an gefährdeten Stellen durch eine Dachfigur starke Windböen nicht mehr die Kraft haben, einzelne Ziegel zu lösen.

Wenn eine kleine Hexe in luftiger Höhe auf ihrem Besen ein Tänzchen wagt, Einbrecher „Ede“ in gebückter Haltung mit Taschenlampe und Dietrichen bewaffnet die Dachschräge hinaufschleicht, aber bereits von einem Polizisten mit Handschellen verfolgt wird oder ein Schlafwandler selig lächelnd mit vorgestreckten Armen im langen Nachthemd übers Dach schwankt, dann muss der Betrachter unwillkürlich schmunzeln. Das sind Dachreiter, wie ich sie mag und es gibt Dachreiter-Liebhaber, deren Dach von mehreren Figuren bevölkert wird und die dem Betrachter eine Geschichte erzählen.

Ganz wichtig ist mir die Symbolkraft und Bedeutung jeder einzelnen Figur. So sollen zum Beispiel die Hexen bösen Zauber fernhalten und das Haus vor Blitzeinschlag bewahren. Der Schlafwandler soll die Bewohner vor schlaflosen Nächten schützen und die Katze das Haus in der Dunkelheit bewachen. Meine Ganoven, Räuber und Einbrecher sollen zwielichtige Gestalten fernhalten, da sie symbolisieren, daß bereits einer da war und es hier nichts mehr zu holen gibt. Natürlich forme ich auch traditionelle Dachreiter nach historischen Vorlagen oder Figuren nach individuellen Wünschen, doch tragen sie allesamt meine Handschrift und sind keinesfalls ernste oder langweilige Gesellen.

So kann sich z. B. der Hausbesitzer auf dem Motorrad, in seiner typischen Berufsbekleidung oder die ganze Familie auf einem Pferd darstellen lassen.


Doris Schaffrath bei der Herstellung einer Katze als Dachschmuck

Herstellung

Dem Haus etwas Persönliches von sich zu geben ist die Hauptmotivation für viele, die sich auf ihrem Dach verewigt sehen wollen, in einer Zeit der Standards und der Massenproduktionen. Deshalb sind meine Figuren Unikate. Jeder bekommt seinen individuellen Dachreiter, den es so kein zweites Mal gibt.

Große Teile werden aus Ton gedreht und die kleinen Teile von Hand präzise geformt und zusammenmodelliert. Nach dem so genannten Schrühbrand wird glasiert und ein zweites Mal gebrannt, wodurch die Dachfiguren absolut wetterfest und frostbeständig werden.
Mit meinen selbst entwickelten Glasuren und teilweise durch handgeschmiedetes Zubehör werden Ausdruck und Erscheinungsbild noch besonders hervorgehoben.

Doris Schaffrath bei der Herstellung einer Katze als Dachschmuck

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